19.11.2016

Ein kleiner Kommentar zum internationalen Männertag

 Heute findet zum siebzehnten Mal der Internationale Männertag statt. Jetzt mag der ein oder andere vielleicht denken: „Männertag? Aber der war doch schon!“ Das stimmt, denn es gibt zwei Männer-tage im Jahr: Den Weltmännertag und den Internationalen Männertag. Bei ersterem geht es darum, für das Thema Gesundheit zu sensibilisieren, da Männer im Schnitt früher sterben als Frauen. Dar¬auf will der Internationale Männertag auch aufmerksam machen, allerdings liegt bei diesem der Schwerpunkt auf dem Thema Gleichberechtigung.

Wir als Grüne Jugend halten das für ein wichtiges Thema, da beide Geschlechter letztlich unter die-ser Situation leiden. Deswegen wollten wir auf dem diesjährigen Christopher Street Day in unserer Stadt mehr über die konkreten Zwänge und Vorurteile im Alltag der Menschen erfahren und haben Fragebögen ausgelegt, die jeder anonym beantworten konnte. Als Vorurteil nannte ein*e Befragte*r beispielsweise, dass von Frauen erwartet würde, sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern, da Männer dazu weniger befähigt seien. Auch der ewige Mythos vom „schwachen Geschlecht“ fand Erwähnung. Ergänzend wollten wir Vorschläge zur Verbesserung der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern von den Befragten wissen. Einig waren sich fast alle, dass der Grundstein in der Erziehung gelegt werden muss, damit sich Rollenklischees und Vorurteile gar nicht erst in den Köp¬fen der zukünftigen Generationen festsetzen können.

Veraltete Vorstellungen von dem, was „männlich“ oder „weiblich“ sein soll, hindern im Endeffekt viele Menschen an der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Besonders zu leiden haben darunter Personen in Gesellschaften, die noch deutlich patriarchaler gestaltet sind als unsere. Vor allem Men-schen mit anderer sexueller Orientierung werden dort immer noch -teils sogar auf gesetzlicher Grundlage- verfolgt und gesellschaftlich ausgestoßen. Eine Teilschuld tragen daran auch die jeweils in diesen Ländern dominierenden Religionsgemeinschaften, die ihren gesellschaftlichen Einfluss nutzen, um ihre Wertvorstellungen zu zementieren.

Aber auch im vermeintlich aufgeklärten Westen erstarken Kräfte, die uns vorschreiben wollen, wie wir zu leben haben. Diese lehnen zum Beispiel Aufklärung über sexuelle Vielfalt in Schulen ab, wollen Paaren am liebsten vorschreiben, wie viele Kinder sie zu bekommen haben und propagieren eine klassische Rollenverteilung wie in den 1950er Jahren. Der Wille des Einzelnen zählt nicht mehr. Sie versprechen den Menschen, sie vor staatlicher Bevormundung und Indoktrination zu be¬freien und planen doch das Gegenteil.

 

(Von Nicolai Jacobs)

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